Karies und Parodontitis

Begriffsdefinitionen:

  • Karies : Häufigste Zahnerkrankung infolge einer Störung des lokalen Gleichgewichts zwischen entkalkenden (sauren) und remineralisierenden (neutralisierenden) Komponenten im Speichel. Das Frühstadium der Karies als Entkalkung des Zahnschmelzes ist reversibel, d.h. es kann durch geeignete Zahnpflegemaßnahmen, lokale Fluoridapplikation (Lacke, etc.) und verringerte Zuckerzufuhr "ausgeheilt" werden. Erreicht die Karies das Zahnbein, ist eine Ausheilung in der Regel nicht mehr möglich. Der Infektionsherd muss vollständig entfernt werden und das entstandene Loch muss bakteriendicht und kaustabil gefüllt werden. Wird durch die Karies auch der Zahnnerv (Pulpa) infiziert, so muss in den meisten Fällen der Nerv entfernt werden, das heißt, es wird eine Wurzelbehandlung durchgeführt. Im Idealfall wird dabei der gesamte Hauptkanal des Zahnnervs bis nahe an die Wurzelspitze aufbereitet und mit geeignetem Wurzelfüllmaterial abgefüllt. Eine lege artis durchgeführte Wurzelbehandlung stellt bis auf sehr seltene Ausnahmen (z.B.: Patienten vor Organtransplantationen) kein Risiko für den Gesamtorganismus dar. Ein wurzeltoter Zahn kann auch noch mehrere Jahrzehnte im Mund bleiben, wenn er adäquat versorgt ist.Kariesentstehung
    • 1) Initiale Schmelzentkalkung (Kreidefleck)
    • 2) Kariöse Zerstörung von Schmelz und Dentin
    • 3) Kariöse Infektion des Zahnmarks (Pulpa)
    • 4) Gangränöser Zerfall der Pulpa mit apikaler Parodontitis

    (Stadieneinteilung der Zahnkaries nach Hey)

  • Parodontitis : Erkrankungen des Zahnhalteapparates
    • Marginale Parodontitis ("Parodontose") : Fortschreitender Zerstörungsprozeß des Zahnhalteapparates infolge des Zusammenspiels von äußeren und anlagebedingten Faktoren.

       

      • Äußere Faktoren: Schlechte Mundhygiene, Zahnbelag (Plaque), Zahnstein, Konkremente (Zahnstein unter dem Zahnfleisch), geeignete Mundflora (Bakterien), etc.

      • Anlagebedingte Faktoren: Zahnfehlstellungen, Fehlbelastungen, Zahnmißbildungen,  Bruxismus (Knirschen), Rauchen, Immunschwäche (Diabetes, HIV, etc.), Mundtrockenheit (Xerostomie, Zst. nach Strahlentherapie,...), Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasie bei Pat. unter Antiepileptika oder Beta-Blocker), etc.

        Stadien:
      1. 1 : Gesundes Zahnfleisch mit leichter Plaqueauflagerung
      2. 2 : Plaque verursacht Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
      3. 3 : Beginnender Knochenabbau (Parodontitis marg. superficialis bis profunda)
      4. 4 : Vollständiger parodontaler Knochenabbau -> Zahn kaum zu erhalten

      Par1 Par2 Par3 Par4

      Therapie:

      • Erlernen der geeigneten Mundhygiene (Putztechnik, Zahnseide, Interdentalbürstchen, ...)

      • Beseitigung von Zahnstein und Konkrementen ("Scaling")

      • Glätten der Wurzeloberflächen ("Root Planing")

      • Recall mit Prophylaxe (siehe spezieller Punkt!)

      • möglichst Raucher-Entwöhnung

      • evtl. chirurgische Therapie: Offene Kürettage, weiterführende Lokaltherapie mit speziellen Medikamenten oder Methoden (siehe Privatleistungen Par), chir. Beseitigung von Problemstellen (Gingivektomie, ...)

      • Knirschertherapie

      • ggf. kieferorthopädische Behandlung

      • weiterführende allgemeinmedizinische Behandlung

       

    • Apikale/laterale Parodontitis (Granulome, Zysten) : Seitliche oder an der Wurzelspitze lokalisierte Entzündung des Zahnhalteapparates und des umgebenden knöchernen Gewebes infolge des gangränösen (fauligen) Zerfalls des Zahnmarks (Pulpagangrän, s.o.).

apicPar

Darst. nach Prof. Dr. Dr. E. Machtens

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